Bagrot - abseits der Touristenpfade

Seit 1992 Monika Girls School Bagrot
Schulmädchen in Bagrot
Schülerinnen vor ihrer Schule

Das Bagrot Tal im Norden Pakistans liegt in einer Region, die seit langem von Schriftsteller/innen, Reisenden und Wissenschaftler/innen aufgrund ihrer Lage inmitten des Karakorum-Gebirges und seiner alten Traditionen bewundert wird.

Heute nur eine knapp zweistündige Jeepfahrt entfernt von Gilgit, dem städtischen Zentrum der jungen Provinz Gilgit-Baltistan, ehemals Northern Areas, erstreckt sich das Tal über eine Länge von 25 km. Es ist eingerahmt von terrassierten Feldern, die von einem hochentwickelten traditionellen Kanalsystem künstlich bewässert werden.

In Bagrot leben 9000 Personen, sie gehören zur schiitischen Glaubensgemeinschaft. In der Hauptsache Bauern bauen sie Weizen, Mais, Kartoffeln, Tomaten und anderes Gemüse an, ernten Aprikosen und Nüsse und züchten Schafe, Ziegen und Rinder. Viele Familien haben kein regelmäßiges Bargeldeinkommen aufgrund des Mangels an Erwerbs- und Ausbildungsmöglichkeiten. Alte Traditionen werden bis heute erhalten, sie bieten den wenigen Besucher/innen Einblicke in historische, geographische und kulturelle Besonderheiten. Veränderungen sperren sie sich nicht.

1990 besuchte ich erstmals Bagrot. Als Ethnologin im interdisziplinären Forschungsprojekt "Kulturraum Karakorum" der Deutschen Forschungsgemeinschaft begann ich eine Feldforschung zum Thema Kulturwandel. Den Frauen in Bagrot galt mein besonderes Interesse.

Als ich von 1990 – 1991 in Bagrot lebte, wurden Mädchen in Sachen Schulbildung vernachlässigt. Nur wenige wurden zuhause privat unterrichtet und hatten die Lerninhalte der Grundschule bewältigt, ohne Zugang zu weiterführender Bildung zu haben. Der Mehrheit der Mädchen und Frauen bot sich keinerlei Möglichkeit, Lesen und Schreiben und damit Pakistans Verkehrssprache Urdu zu lernen. Die schriftlose Umgangssprache in Bagrot ist Shina, eine eigenständige Sprache.

Viele junge Frauen äußerten in persönlichen Gesprächen mit mir großes Interesse, eine Grundbildung zu erlangen. Einige gingen soweit, mich an ihren Sorgen hinsichtlich einer benachteiligten Position in einer sich wandelnden Gesellschaft teilhaben zu lassen. Sie fürchteten, dass eine Heirat mit einem schulgebildeten jungen Mann unweigerlich dazu führen würde vernachlässigt zu werden. Und sie schämten sich vor ihren Kindern. Obwohl bereits seit Beginn des Jahres 1991 eine staatliche Grundschule für Mädchen auf dem Papier existierte, stellte die Schulbehörde keine Lehrkräfte ab. Die Gründung der ersten Schule für Jungen geht bereits auf das Jahr 1927 zurück.

All dies hat mich veranlasst, Ende 1991 die Monika Girls High School als eine kleine Nachbarschaftsinitiative auf den Weg zu bringen. Die Unterstützung meiner Gastgeberfamilie machte es möglich, 1992 zwanzig Mädchen von einem einheimischen jungen Mann in einem Privathaus im Dorf Datuchi-Das unterrichten zu lassen.

Zwanzig ehrgeizige Mädchen haben einen Meilenstein in Bagrots Bildungsgeschichte gesetzt. Was zuerst wie ein wenig aussichtsreiches Unterfangen aussah, hat sich inzwischen zu einer gewohnten Übung für die junge weibliche Bevölkerung entwickelt. Die heute 354 Schülerinnen und Studentinnen beweisen, Mädchenbildung macht einen Unterschied. Doch die Bemühungen, formale Jungen- und Mädchenbildung gleichzustellen, gingen einen langen Weg.

Lesen Sie weiter im Projektbericht und in den einzelnen Jahresberichten (Berichte ...-2003).

Weitere Informationen
Monika Schneid
(Hamburg/Germany)
monika@monikaschneid.de
oder
Hans-Joachim Jupke
(Cologne/Germany)
hans-joachim.jupke@web.de

 

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