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🙂 "School is Best" - Liebeserklärung an das Lernen ☺

Bildungschancen für Mädchen: Monika Girls High School & College Bagrot Tal (Nordpakistan), 2016

Im Mai haben wir Bagrot wieder besucht. Das Wetter war sehr freundlich. Die schweren Regenfälle Anfang April hatten großen Schäden an den unbefestigten Straßen und einzelnen Brücken im Tal hinterlassen, die noch nicht beseitigt waren. An verschiedenen Orten haben Schlamm- und Geröllfluten auch Bewässerungskanäle und Felder zerstört. Die Schule blieb glücklicherweise verschont.

Monika Girls High School und College

In einem Monat wird unser Bildungsprojekt für Mädchen bereits 25 Jahre alt! Unglaublich. Diesen Erfolg verdanken wir den vielen Unterstützer/innen über die Jahre. Und wir können über einige Veränderungen berichten. Der Schulbereich wird nun von der Schulbehörde mit Lehrkräften versorgt. Die Lehrkräfte für die Collegeklassen werden weiterhin aus privaten Spenden finanziert. Hinzu kommt eine Collegeklasse mit naturwissenschaftlicher Ausrichtung. Dafür werden zusätzliche Fachlehrer benötigt. Doch dazu später mehr. Unsere Politik der kleinen Schritte hat sich bisher bewährt. Die Finanzierung des Schulgeländes mit seinen heute drei Gebäuden haben wir von Anfang an in die Verantwortung des Staates gestellt und nur dringende Ausstattungsmaßnahmen aus Spenden finanziert. Im Mittelpunkt stand immer unser Ziel: Schulunterricht für alle Mädchen in Bagrot und ein breites kostenloses Unterrichtsangebot.

Die Mädchenschulklassen (1. – 10. Schuljahr)

220 Schülerinnen besuchen die 1. – 10. Klasse. Alle Schulklassen werden jetzt durch die Schulbehörde mit staatlichen Lehrkräften ausgestattet. Die Umsetzung ruckelt noch ein wenig und erfordert für die Übergangszeit Geduld auf allen Seiten. Der Unterricht findet seit dem Ende der Sommerferien vormittags statt, das ist an staatlichen Schulen üblich. Damit verlängert sich die tägliche Unterrichtszeit im Verhältnis zum bisherigen Unterricht am Nachmittag um 1-2 Stunden, je nach Wochentag. Die Schülerinnen der 9. und 10. Klasse gewöhnen sich gerade daran. Als Folge der positiven Entwicklung mussten wir zum 31. Mai sechs aus Spenden finanzierte Lehrer der High School entlassen. Alle haben eine Abfindung erhalten, sie arbeiteten bereits viele Jahre für das Projekt. Zwei aus Spenden finanzierte naturwissenschaftliche Fachlehrer werden weiterbeschäftigt, um den Über-gang bis zum Ende des laufenden Schuljahres (31. März 2017) zu begleiten. Die bisher an die Mädchen-schule versetzten staatlichen Lehrkräfte haben keinerlei Ausbildung in naturwissenschaftlichen Fächern. Erste Reaktionen: Die Schülerinnen der 9. und 10. Klasse äußerten sich in den Gesprächen mit mir besorgt über die Umstellung. Sie haben wenig Vertrauen in die Verlässlichkeit und Fachkompetenz der staatlichen Lehrkräfte. Froh und dankbar waren die Eltern und Schülerinnen über die Weiterbeschäftigung der beiden naturwissenschaftlichen Fachlehrer für die Klassen 9 und 10. Bei ihnen geht es um die Vorbereitung auf die Schulabschlussprüfung. Schüler/innen und deren Eltern sind fixiert auf die jährlich stattfindenden Klassenabschlussprüfungen. Die Prüfungsaufgaben werden zentral für alle Schulen erstellt und die Prüfungen finden unter Aufsicht fremder Lehrer/innen statt. Diese Maßnahmen verhindern Prüfungsbetrug. Fällt der Unterricht häufig aus, z.B. aufgrund fehlender oder abwesender Lehrkräfte, haben die Schüler/innen das Nachsehen und erreichen nur eine niedrige Gesamtpunktzahl im Jahresabschlusszeugnis. Das gefährdet die Versetzung und nach Abschluss der 10. Klasse die Aufnahme des Studiums an einem College. Im Mai hat die Schulbehörde der Provinz für alle staatlichen Lehrkräfte die Anwesenheitskontrolle durch einen digitalen Fingerabdruck zum Beginn und Ende der täglichen Dienstzeit eingeführt. Eine kleine technische Revolution, die hoffentlich Früchte tragen wird. Wir waren in den ersten Tagen des digitalen Ein- und Ausstempels live dabei.

Die Collegeklassen (11. – 14. Schuljahr)

62 Studentinnen studieren in den Klassen 11 - 14. Der Unterricht findet nachmittags statt. Seit September gibt es eine zusätzliche Klasse mit naturwissenschaftlicher Ausrichtung, sie hat bisher 8 Studentinnen. Die Kosten für den Collegeunterricht sind erheblich gestiegen, weil drei weitere Fachlehrkräfte benötigt wurden. Sie haben ein Studium in Mathematik, Physik, Chemie oder Biologie absolviert. Das neue mathematisch-naturwissenschaftliche Unterrichtsangebot ist vorerst auf ein Jahr befristet. 11 aus Spenden finanzierte Lehrkräfte unterrichten heute die insgesamt fünf Collegeklassen. Die wichtigsten Unterrichtsfächer sind: Urdu, Englisch, Soziologie, Pädagogik, Landeskunde, Wirtschaft. In der naturwissenschaftlich ausgerichteten Klasse liegt der Schwerpunkt auf Mathe, Physik, Biologie. Ein Lehrer wurde mit der Leitung der Collegeklassen beauftragt. Am letzten Maisonntag haben wir mit den Studentinnen des 4. Collegejahres einen Klassenausflug unternommen zum Attabad Lake (einem Stausee als Folge eines Bergrutsches) und den neuen Tunneln des Karakorum Highway im oberen Hunza Tal. Einige Fotos in unserem Infobrief zeugen von diesem wunderbaren Tag. Für die Studentinnen war der Ausflug ein seltenes Vergnügen und ein kleines Abenteuer, bisher unbekannte Regionen ihrer Heimatprovinz Gilgit-Baltistan kennenzulernen.

Bildungspolitik

Es ist nicht abzusehen, dass die Bildungsbehörde auf absehbare Zeit ein College in Bagrot einrichtet. Dazu ist die Nähe zur Provinzhauptstadt Gilgit mit ihren staatlichen und privaten Bildungseinrichtungen zu groß. Gleichzeitig ist der Sicherheitsaspekt in Gilgit und den umliegenden Großgemeinden ein Faktor, der insbesondere Frauen einschränkt und den Umzug zu Studienzwecken verhindert. Auch die Kosten eines Studienaufenthaltes außerhalb des Elternhauses sind für viele Familien eine große Hürde, die Töchter außerhalb studieren zu lassen, wie auch der Bedarf an Arbeitskräften im Haushalt und in der Landwirtschaft.

Heiratspolitik

Ein neues Phänomen in Bagrot sind Scheidungswünsche einiger junger Frauen. Das Eheversprechen war bereits mit dem rechtlich bindenden Vertrag besiegelt worden, das eheliche Zusammenleben noch nicht erfolgt. Diese zeitliche Abfolge ist üblich in Bagrot. Scheidungswünsche seitens der jungen Frauen jedoch nicht. Es handelt sich ausnahmslos um arrangierte Ehen zwischen den Familien, ebenfalls üblich in Bagrot, und einzelne jungen Frauen begehren heute auf. Die mir bekannten Fälle betreffen Studentinnen. (Eine Folge der Schulbildung?) Die Scheidungsverhandlungen zwischen den betroffenen Familien ziehen sich hin, und lokale Geistliche sowie Dorfälteste bemühen sich um Vermittlung. Bisher endeten diese Verhandlungen mit der Einwilligung des Ehemannes in die Scheidung und einem Ausgleich der entstandenen Kosten für Geschenke etc. an die Braut seitens der Schwiegerfamilie. Das Bemühen der Gemeinschaft um einen verträglichen Ausgleich bei privaten Streitigkeiten hat ebenfalls Tradition in Bagrot.

Die Klasse für gehörlose Kinder

Nabila, eine gehörlose junge Frau in Bagrot, unterrichtet seit Oktober 2012 gehörgeschädigte Kinder in Gebärdensprache, Lesen und Schreiben in der Landessprache Urdu und in den Grundrechenarten. Finanziert wird dieses kleine Projekt aus Spenden der Berufsbildenden Schule Heinrich Haus gGmbH in Neuwied. Seit dem letzten Jahr besitzt Nabila ein gebrauchtes Laptop und setzt damit vermehrt visuelle Unterrichtsmaterialien und Filme in Gebärdensprache und Untertiteln in der Landessprache Urdu ein. Die 4 Schüler/innen haben das Jahresexamen wieder an der staatlichen Mädchenschule im Dorf absolviert und waren erneut die Klassenbesten. Das einzige Mädchen der kleinen Klasse hat inzwischen an die staatliche Schule für Gehörgeschädigte in der Stadt Gilgit wechseln können und wohnt dort bei Verwandten. Sie ist eine ausgezeichnete und aufgeweckte Schülerin. Doch das Elternhaus und die sichere bekannte Umgebung zu verlassen fiel ihr schwer. Gerne würden wir Nabilas kleine Klasse aus dem Privathaus auf das Gelände einer nahegelegenen Schule verlegen. Doch dort gibt es kaum ausreichend Schulraum und Nabila zögert in die Schulöffentlichkeit zu gehen. Eine Behinderung gilt als Makel, die Betroffenen werden gerne belächelt oder gar schikaniert. Benachteiligte Kinder werden schulisch nicht gefördert und bleiben in der Regel Analphabeten.

Projektkosten

Der Kurs der pakistanischen Währung (Rupie) ist an den US-Dollar gebunden und damit steht der Euro seit zwei Jahren nicht mehr so gut da wie früher. Die Gesamtkosten für die aus privaten Spenden zu finanzierenden Lehrkräfte betragen im laufenden Schuljahr insgesamt 20.000 EUR. Das ist ein dicker Batzen und nicht leicht zu stemmen. Wir sind sehr dankbar für jegliche Unterstützung. Dafür gibt es bereits gute Beispiele, die vielleicht zur Nachahmung anregen.

Spendenaktionen 2016

  • Nähen für den guten Zweck: Eine Freundin näht mit großem Engagement, den Gewinn aus dem Verkauf ihrer Köln-Schlüsselbänder spendet sie für das Schulprojekt. (Das Foto unten zeigt ausnahmsweise eine junge Schneiderin und Schülerin in Bagrot. Sie trägt mit der Nebentätigkeit zum Haushaltseinkommen bei.)
  • Von Schule zu Schule: • Die Schüler/innen und Lehrkräfte der Berufsbildenden Schule der Heinrich-Haus gGmbH in Neuwied unterstützten uns wieder mit verschiedenen Spendenaktionen. • 4. Lesemarathon der Ursulinenschule Köln über die Weihnachtsferien 2015/2016: 59 Teilneh-mer/innen der Klassen 5 - 7 schmökerten um die Wette und haben so reichlich Spenden erlesen. • Schüler/innen des Gymnasium Braunlage unterstützten uns mit dem Erlös aus ihrem Sozialtag.
  • Haare lassen: Eine junge Dame verkaufte ihr abgeschnittenes Haar an einen Perückenhersteller und spendete den Erlös.
  • Spende statt Geschenke, Blumen oder Kränze: Gute Freunde haben wieder laute und stille persönliche Anlässe unter dieses Motto gestellt.
  • Spende statt Honorar: 3 Frauen sind jetzt regelmäßig mit einer befreundeten Yogalehrerin auf der Matte, die sie das Honorar spenden lässt.
  • Auch Dauerspender/innen, langjährige Unterstützer/innen und die Mitglieder des Forum Kinder in Not e.V. tragen maßgeblich zum Fortbestand der Schule bei. Für ihr Vertrauen und die Treue bin ich sehr dankbar.
Ihre und eure Spenden fließen zu 100% in die Schule. Ich danke allen Unterstützerinnen und Unterstützern für ihren Einsatz für die gute Sache. Ein vielstimmiges Dankeschön und unzählige Grüße lassen die Schülerinnen und Studentinnen, Eltern und die Lehrkräfte ausrichten.

Mit herzlichen Grüßen aus Hamburg
Ihre und Eure Monika Schneid
Dezember 2016

Weitere Informationen:

Monika Schneid, Marienthaler Straße 156, 20535 Hamburg,
Tel. 040-2503708, monika@monikaschneid.de


Spendenkonto:Kreissparkasse Tübingen
IBAN: DE31641500200002753609
BIC: SOLADES1TUB
Forum Kinder in Not e.V.
Für zweckgebundene Spenden bitte das Stichwort "Pakistan" angeben.
Bitte unterstützen Sie uns durch Ihre Spende, die steuerlich abzugsfähig ist. Eine Spendenbescheinigung wird bei Angabe Ihrer Postadresse auf der Überweisung zugesendet.

 

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