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Bagrot Basics

Aufgestockt!

Girls High School & College Bagrot Tal (Nordpakistan)

Bei unserem Projektbesuch vom 9.9. - 3.10. wurden wir von langjährigen Freunden begleitet. Unsere Freundin spendet seit 25 Jahren regelmäßig für das Bildungsprojekt und war bereits vor 11 Jahren einmal mit uns in Bagrot. Ihr Mann besuchte zum ersten Mal Pakistan und hat seine Eindrücke folgendermaßen beschrieben: "Die Herzlichkeit der Menschen in Bagrot ist überwältigend."

Dass der Alltag in Bagrot mit Schlafen, Sitzen und Essen auf dem Boden und den vielen Familienmitgliedern und Besuchern, die ständig ein und aus gehen und gerne ein lautes Stimmengewirr mit sich bringen, an den Kräften und manchmal auch an den Nerven zehrt, will ich nicht verhehlen.

Tatsächlich war der Empfang in Bagrot in diesem Jahr besonders herzlich. Das hatte einen gewichtigen Grund.

Meetings und Veranstaltungen

In diesem Jahr war neben dem immer wieder überraschenden Alltag in Bagrot ziemlich viel los:

Schulfest in der BASE Public School Bagrot zu unseren Ehren mit Gedichten, Liedern und Reden. Im Anschluss gemeinsames Essen mit den Lehrkräften. Mehrere Meetings mit den Studentinnen und Lehrkräften des Girls College Datuchi.

Schulfest des Girls College Datuchi mit Gedichten, Liedern und Reden. Zu dieser Feier haben uns zwei Minister der Provinz, zuständig für die Ressorts Public Works und Planning and Development, mit ihrem Besuch beehrt. Letzterer war zum ersten Mal im Bagrot Tal und nutzte die Gelegenheit für ein bisschen freundlichen Wahlkampf. Die Provinzwahlen sind im kommenden Jahr. Die besondere Note der Veranstaltung: Alle Beiträge waren in Shina, der Lokalsprache in Bagrot. Meine Dankesrede war sprachlich natürlich bescheiden mangels Praxis. Trotzdem wurde sie vom Fotografen des Ministers aufgezeichnet und auf YouTube eingestellt: https://www.youtube.com/watch?v=y_gM4IB0f80

Über die Schulveranstaltung und den Hintergrund der Namensgebung für das College wurde auch in K2, der meist gelesenen Zeitung der Provinz Gilgit-Baltistan überichtet. Ebenfalls darüber berichtet wurde auf der Facebook-Seite des Ministers.

Zu meiner Überraschung waren die Reaktionen überwältigend positiv. Allein die Tatsache, dass eine Deutsche versucht, eine Rede in der Lokalsprache zu halten, hat ausgereicht. Tags darauf kannte mich nahezu jeder und jede in Gilgit und Umgebung. Und nun kenne ich ein wenig die Leiden eines plötzlichen Popstars. Ein Enkel unserer Gastfamilie beschrieb die positive Resonanz mit dem Hinweis, dass mein Auftritt, meine Rede sehr freundlich war. Im Nachhinein stelle ich fest, das ist tatsächlich ungewöhnlich für offizielle Reden dort. Glück gehabt.

Besuch in der Nähschule für Frauen im Dorf Chirah. Dieses Projekt wird seit einigen Jahren vom kleinen aber feinen britischen Radtouristikveranstalter Red Spokes gefördert. Junge Frauen werden in sechsmonatigen Kursen zu Schneiderinnen ausgebildet. Die beiden Lehrmeisterinnen stammen ebenfalls aus Bagrot. Für Frauen bieten Autragsnäharbeiten eine Möglichkeit, mit Heimarbeit eigenes Geld zu erwirtschaften. Traditionell ist die Auftragsschneiderei eine Tätigkeit von Männern.

Das Abschiedsessen am letzten Tag im Haus unseres langjährigen Freundes mit 38 Familienmitgliedern war eine ganz entspannte Angelegenheit. Auch hier war dann eine Rede fällig. Heimvorteil: Die meisten großen und kleinen Familienmitglieder verstehen mein kleines Shina sehr gut. Die langjährige Übung im Umgang mit den deutschen Besuchern macht's möglich. Gemeinsam haben wir gelernt über unsere jeweiligen Tellerränder zu gucken.

Meilenstein

Im Juni 2019 hatte der Provinzminister für öffentliche Infrastruktur die Government Girls High School zur Higher Secondary School (= College) aufgestockt und versprochen, ihr den Namen Monika Girls Higher Secondary School Datuchi zu verleihen. Im September wurde in meiner Anwesenheit eine entsprechende Gedenktafel errichtet.

Die Anerkennung des seit dem Jahr 2005 aus Spenden finanzierten College als Government Higher Secondary School bedeutet noch keine Erleichterung auf Seiten der Kosten. Gemäß dem üblichen Verwaltungsverfahren in Pakistan ist im ersten Schritt die bauliche Erweiterung der Schulgebäude im Gange. Nach Fertigstellung in 1-2 Jahren erfolgt die Ausschreibung der Stellen (ca. 30) und die Auswahl der Lehrkräfte und weiteres Personal. Realistisch betrachtet, wird es noch 3-4 Jahre dauern bis das College auf staatlicher Basis läuft. In Bagrot ist man ungeachtet dessen sehr stolz auf das erste staatliche College im Tal. Das kann ihnen niemand mehr nehmen. Eine Mutter beschrieb die Situation wie folgt: Unsere Töchter benötigen heute den Abschluss der 12. Klasse (2. Collegejahr), danach werden sie heiraten. Der Minister stellte in seiner Rede bei der Schulveranstaltung heraus, dass es mit der Schulbildung für Mädchen und Frauen allein nicht getan ist. Die jungen Frauen müssen bestärkt werden, in allen Bereichen des öffentlichen Lebens deutlich sichtbar und tätig zu werden. Hier sei noch viel zu tun und dies brauche Zeit, sei aber unerlässlich für die Zukunft der Gesellschaft und des Landes.

Zahlen

239 Mädchen besuchen die Government Girls High School Datuchi (1.-10. Klasse) und werden von 25 staatlichen Lehrerinnen unterrichtet. Viele von ihnen haben früher selbst die Projektschule in Datuchi besucht.

83 Studentinnen besuchen derzeitig die Monika Girls Higher Secondary School Datuchi (11.-14 Klasse) und werden von 11 Lehrkräften unterrichtet, die wir mit Ihren und Euren Spenden finanzieren. Aufgrund des aktuellen Wechselkurses der Rupie sind die Gesamtkosten ein wenig gesunken und betragen derzeitig monatlich 1150 Euro.

Ausblick

Meine Überlegung, Kleinkinderbetreuung auf dem Schulgelände anzubieten für die Kinder von Lehrerinnen und Studentinnen, lässt sich leider so nicht realisieren. Dazu müsste das Personal von staatlicher Stelle eingesetzt werden wegen der Schlüsselgewalt für das Schulgelände und aus versicherungstechnischen Gründen. Der Bedarf ist eindeutig vorhanden. Die 25 Lehrerinnen der staatlichen Schule bringen täglich 7 Kleinkinder mit zur Schule mangels Betreuung zuhause oder wegen des Stillens. Unterrichtsstunden ohne Unterbrechung oder Störung können die betroffenen Lehrerinnen nicht leisten, so meine Beobachtung. Diese Situation ist auch der Schulbehörde bekannt und gilt für alle Schulen, an denen weibliche Lehrkräfte beschäftigt sind. Die Praxis ist nicht erwünscht doch Abhilfe ist auch nicht in Sicht, wurde mir signalisiert. Einige junge Mütter unter den Studentinnen dagegen können das College nicht mehr besuchen weil es an einer Betreuungsperson zuhause mangelt. Sie leben in verschiedenen Dörfern des Tals, eine Gemeinschaftsinitiative am Wohnort ist nicht machbar. Ich bin zuversichtlich, dass auch für das Betreuungsproblem der Mütterlehrerinnen und Mütterstudentinnen eine Lösung gefunden wird.

Mit herzlichen Grüßen!
Monika Schneid
Hamburg, 16.10.2019

Weitere Informationen:

Monika Schneid, Marienthaler Straße 156, 20535 Hamburg,
Tel. 040-2503708, monika@monikaschneid.de
Auf unserer Website zeigen wir einen Kurzfilm über den Alltag in Bagrot: www.bagrote.net


Spendenkonto:
Kreissparkasse Tübingen
IBAN: DE31641500200002753609
BIC: SOLADES1TUB
Forum Kinder in Not e.V.
Für zweckgebundene Spenden bitte das Stichwort "Pakistan" angeben.
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Bilder aus Bagrot

Gedenktafel vor dem Schulfest

Gedenktafel nach dem Schulfest

Schulgelände

Erweiterungsbau

Erweiterungsbau

Erweiterungsbau

Empfang der Minister

Minister for Public Works

Minister für Planung

Nach dem Schulfest

Projektkoordinator Ahmad Ali

Ahmad Ali und Monika

Physikstunde

Lehrerinnenzimmer

Collegestudentinnen und Monika

Collegelehrkräfte

College Lehrkräfte

BASE SchülerInnen

BASE Schülerin

Reis garen

Unsere Bleibe in Datuchi

Unsere Reisegefährten

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