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Bagrot Basics

Englische Version

MÄDCHENBILDUNG  —  MÄDCHEN–POWER

Bagrots älteste Mädchenschule heute: ‘Monika College for Girls’ im Bagrot Tal, Nordpakistan

Projektbericht 2024

Im Oktober habe ich unser Projekt, das College für Mädchen im Bagrot Tal besucht und 10 Tage dort verbracht.
Zur Erinnerung: Die von uns 1992 gegründete Mädchenschule ist seit einigen Jahren bis zur 10. Klasse fest in staatlicher Hand. Auch der Ausbau der Schule zu einer staatlichen Higher Secondary School (1.-12. Klasse) ist abgeschlossen. Zwei der bestehenden Schulgebäude wurden um ein Stockwerk erhöht und der Schulcampus planiert und ummauert. Die neuen Obergeschosse mit zusätzlichen Klassenräumen werden intensiv genutzt, auch nachmittags. Inzwischen werden bereits weitere Räume benötigt für die Kindergartengruppe, den Hauswirtschaftsunterricht und mehr Klassenräume. Der für Schulen zuständige Staatssekretär der Provinz Gilgit-Baltistan sieht mittelfristig jedoch keine Möglichkeit zur Finanzierung baulicher Erweiterungen und zusätzlicher Lehrerstellen, die eine Higher Secondary School benötigt. Dieser Schultyp hat zwei höhere Klassenstufen und muss zusätzlichen Fachunterricht anbieten. Die staatliche Anerkennung als Higher Secondary School bedeutet deshalb noch keine Erleichterung auf Seiten der vom Projekt getragenen Gehaltskosten für die Fachlehrkräfte.

Monika College for Girls

110 Studentinnen besuchen im laufenden Semester die Klassenstufen 11, 12, 13 und 14 unseres College.
Seit der Staat die Girls High School (1.-10. Klasse) mit ihren aktuell 218 Schülerinnen angemessen mit Lehrerinnen versorgt, müssen nur noch die Lehrkräfte für die weiterführenden Schuljahre, die Klassen 11-14 aus privaten Spenden finanziert werden. Die insgesamt sechs Klassengruppen werden von 14 Fachlehrkräften unterrichtet, die wir mit Ihren und euren Spenden finanzieren. Die einheimische Projektkoordinatorin unterrichtet neben den damit verbundenen Aufgaben in den Klassen 13 und 14. Zusätzlich beschäftigen wir eine Assistentin für die persönliche Betreuung der Studentinnen. Alle Lehrkräfte stammen aus dem Bagrot Tal und genießen großes Vertrauen bei Eltern und Studentinnen. Die Unterrichtsfächer in den ersten beiden Collegejahren: Urdu, Englisch, Pädagogik, Soziologie, Politik, Gemeinschaftskunde, Islamkunde und in den naturwissenschaftlich ausgerichteten Gruppen Physik, Biologie und Chemie. Im April 2023 hat die Bildungsbehörde die Bachelor-Studiengänge um zwei auf vier Jahre verlängert und die Lehrinhalte entsprechend erweitert. An unserem College im Bagrot Tal können die Studentinnen sich nun ab dem 3. Jahr (Klasse 13) auf den Abschluss ‚Bachelor of Science Education’ (kurz: BS Ed.) vorbereiten, das ist ein Lehramtsstudiengang. Die neuen Unterrichtsfächer im 3. und 4. Collegejahr: Naturwissenschaften, Urdu, Englisch, kindliche Entwicklung, Didaktik und Methodik (allgemein und mit Bezug auf den Schriftspracherwerb und verschiedene Fächer wie Urdu, Englisch, Mathematik, Gemeinschaftskunde), Schul- und Klassenraumdynamik, Informationstechnologie, Islamkunde. Nach erfolgreichem Abschluss der ersten zwei von vier Bachelor-Studienjahren wechseln die Studentinnen an die Universität in der Provinzhauptstadt Gilgit. Die ersten Absolventinnen des neuen Studiengangs stehen im Sommer 2025 vor dieser Entscheidung.

Die Studentinnen kommen aus allen Dörfern des Tals. Sie nehmen teils weite Schulwege in Kauf.
Der Unterricht am ‚Monika College for Girls’ ist kostenlos. Es fallen weder Monats- noch Semestergebühren an.
Unterrichtet wird nachmittags in den dann leeren Räumen der staatlichen Mädchenschule.

‚Education at Home’ ist unsere Maxime. Ziel ist, möglich zu machen, was in Bagrot sonst nicht möglich ist: 1992 war es der Schulbesuch für Mädchen, ab 2005 war es der Besuch der Oberstufe und heute ist es der Einstieg in ein Studium. Die ersten Jahre im Bagrot Tal studieren, denn ein Studium außerhalb ist teuer. Die Collegeklassen werden von Töchtern aus wirtschaftlich ärmeren Familien besucht.
Seit einigen Jahren schon ist die Inflation in Pakistan sehr hoch. Das wirkt sich besonders stark auf die Ausgaben für Grundnahrungsmittel und weitere Waren des täglichen Bedarfs aus und belastet wirtschaftlich schwache Haushalte zusätzlich.

Leistungsstarke Mädchen: Zum Zeitpunkt meines Besuchs herrschte an der zentralen Hauptschule für Jungen in Bagrot noch große Aufregung. Alle Schüler der 9. Klasse waren nicht versetzt worden und wiederholen die Klasse. Das hatte Folgen. Lehrer wurden versetzt und der Schulleiter muss dem Schulrat wöchentlich über die Lernerfolge Bericht erstatten. Ein Vergleich der Examensergebnisse mit denen der Hauptschule für Mädchen am Ort ergab: Die Schülerinnen mit den schlechtesten Zeugnissen haben allesamt besser abgeschnitten als die Jungs mit den besten Zeugnissen. Über die Gründe wurde viel spekuliert. Fakt ist, sagen die Lehrer, dass den Jungen zuhause in der Regel sehr viel Freizeit und damit Freiheiten gewährt werden. Mädchen hingegen werden früh in die Hausarbeit und Kinderbetreuung eingebunden. Freizeitaktivitäten werden bei den Mädchen eher eingeschränkt und nicht positiv bewertet. Das wirkt sich auf Lernverhalten, Disziplin und Selbstverständnis aus. Eine weitere Erfahrung, Schüler staatlicher Schulen werden zuhause sehr selten nach ihren Hausaufgaben gefragt oder diese gar überpr&uum;ft. Ist der Schulbesuch dagegen kostenpflichtig, wie an den vielen Privatschulen außerhalb des Tals, sieht das Eltern- und Lernverhalten deutlich anders aus. Ungeachtet der Gründe für das schlechte Abschneiden der Jungs, wir sind stolz auf ‚unsere’ Mädchen.

Meilensteine seit 1992

Vor 32 Jahren war die Sorge groß, dass Töchter, die Lesen und Schreiben können und Urdu (die Verkehrssprache des Landes) beherrschen, die Arbeit im Haus und in der Landwirtschaft vernachlässigen und ungehorsam werden. Die Reaktion auf das Thema Schulbesuch für Mädchen war: „Das brauchen wir in Bagrot nicht. Wir sind Bauern.”
Unsere Projektschule wurde in den ersten Jahren von Mädchen aus allen Dörfern Bagrots besucht, weil sie die einzige Mädchenschule im gesamten Tal war. Auf Druck der Bevölkerung hat die Schulbehörde im Laufe von 10 Jahren dann Mädchengrundschulen in allen 6 Dörfern eingerichtet. Ab 2005 haben wir auch Oberstufenunterricht angeboten. Seitdem haben über 900 junge Frauen nach dem Hauptschulabschluss 2-4 Studienjahre absolviert.
Folgen des Schul- und Collegebesuchs: Die jungen Frauen heiraten später, die Kinder kommen später und in der Regel haben sie weniger Kinder durch gezielte Familienplanung. Einige Absolventinnen arbeiten neben dem eigenen Haushalt und der florierenden Landwirtschaft auch außerhalb, meist als Lehrerinnen. Das regelmäßige monatliche Geldeinkommen ist ein großer Vorteil für die Familien.
Die Berufswünsche der Studentinnen sind heute breiter gestreut als in der Vergangenheit: Die Interessen liegen mehrheitlich in den Bereichen Recht, öffentliche Verwaltung, Medizin und weiteren Gesundheitsberufen sowie beim beliebten Lehramt. Angestrebt wird eine Anstellung im öffentlichen Dienst weil das Jobsicherheit verspricht und eine Altersrente.
Auch im Alltag sehen wir viele Veränderungen: Die Schülerinnen und Absolventinnen können sich mühelos in der Verkehrssprache des Landes verständigen, sie handeln selbständiger, viele genießen eine neue Wertschätzung in der Familie und außerhalb, sie helfen ihren Kindern bei schulischen Fragen und den Hausaufgaben (das konnten ihre Mütter und die Großeltern allesamt nicht), sie trauen sich, alleine einkaufen zu gehen und auch ohne männliche Begleitung zu reisen – das tun ihre Mütter und Großmütter nicht. Einige junge Frauen fahren inzwischen selbstverständlich Auto, darunter Lehrerinnen zum Dienst. Manche junge Frau stellt heute ihre von den Eltern arrangierte Ehe in Frage. Das birgt erhebliches Konfliktpotential für die Familien und für die Bewertung von Schulbildung für Mädchen. Bildung als Motor für das Infragestellen alter Traditionen? Diese Reaktion könnte uns in Zukunft wieder häufiger begegnen.

Projektkosten

Die Gesamtkosten für die aus privaten Spenden finanzierten Fachlehrkräfte und Sachkosten des College betragen für das Jahr 18.000 EUR. Wir sind sehr dankbar für jegliche Unterstützung. Dafür gibt es gute Beispiele:

Spendenaktionen 2024

  • 'Jeden Tag eine gute Naht': Eine Freundin näht in ihrer Freizeit für den guten Zweck. Den Gewinn aus dem Verkauf von Köln-Schl¨sselbändern, Nackenkissen, Stiftemäppchen, Taschen und anderen praktischen Sachen spendet sie für das Projekt.
  • Spenden statt Geschenke und Kränze: Gute Freunde und liebe Nachbarn haben wieder freudige oder traurige Anlässe zum Spenden genutzt.
  • Sozialtag am Oberharz-Gymnasium in Braunlage: Ein Teil des Erlöses kam wieder unserem Projekt zugute.
  • Einige Dauerspender*innen, langjährige Unterstützer*innen und auch die Mitglieder des Forum Kinder in Not e.V. tragen maßgeblich zum Fortbestand des Projektes bei. Für ihr Vertrauen und ihre Treue bin ich sehr dankbar.
  • ‚Monika Girls School. Jede Spende hilft!’: Spendenaufruf auf den neuen Trainingsjacken der B-Jugend Mädchenmannschaft (Handball) des LSC in Köln.

Ich möchte allen Spenderinnen und Spendern für ihre Unterstützung, ihr Vertrauen und ihre Treue danken. Sie halten das Projekt am Leben und Laufen.

Ihre und eure Spenden fließen zu 100% an das Bildungsprojekt. Ich danke allen Unterstützerinnen und Unterstützern für ihren Einsatz für die gute Sache. Die Studentinnen, Eltern, Lehrkräfte und viele weitere Menschen aus dem Bagrot Tal lassen ein vielstimmiges Dankeschön und viele Grüße ausrichten.

Von Herzen beste Grüße auch von
Ihrer und eurer Monika Schneid
Dezember 2024

Weitere Informationen:

Monika Schneid, Georg-Fuchs-Str. 3, 50737 Köln,
Tel. 0177 8248372,
monika@monikaschneid.de
Web: www.bagrote.net


Spendenkonto:
Kreissparkasse Tübingen
IBAN: DE31641500200002753609
BIC: SOLADES1TUB
Forum Kinder in Not e.V.
Für zweckgebundene Spenden bitte das Stichwort "Pakistan" angeben.
Bitte unterstützen Sie uns durch Ihre Spende, die steuerlich abzugsfähig ist. Eine Spendenbescheinigung wird bei Angabe Ihrer Postadresse auf der Überweisung zugesendet.

 

Fotos: Muhammad Naeem, Sami Shah und Monika Schneid, 2024

Diesen Bericht können Sie downloaden im Format DIN A4:

Bagrot Infobrief 2024.pdf

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